CORPORATE PUBLISHING

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Collage

Publikationen für Unternehmen haben eine eigene Sprache und Ästhetik. Sie spiegeln die Unternehmensphilosophie wieder, sind Teil der Marketing- und PR-Strategie, geben Einblicke in die Unternehmensgeschichte oder haben eine klare Botschaft. Inzwischen ist Corporate Publishing ein Teil meiner journalistischen Arbeit. Immer wieder bekomme ich Aufträge für Unternehmenspublikationen. Für den Süddeutsche Verlag onpact war ich zuletzt verantwortlich für die Mitgliederzeitschrift der Siemensbetriebskrankenkasse „SBK leben“.

 


Evolution Health

BAUER JubilaeumKonzeption und Entwicklung des Kundenmagazins "EVOLUTION HEALTH". Entwickelt für JNB in Wiesbaden. Die Agentur brachte 2010 und 2011 das Kundenmagazin heraus. Es richtete sich unter anderem an Partner in der Gesundheits- und Pharmabranche. EVOLUTION HEALTH war monothematisch und befasste sich umfassend über 100 Seiten mit zukunftsweisenden Themen im Bereich Gesundheit.

 

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Giftküche


Giftkueche

Tonnenweise werden gefälschte Medikamente in verdreckten Hinterhofwerkstätten wie diesen hergestellt. Ob in China, Indien, Kambodscha oder Westafrika – der Anblick ist immer ähnlich erschreckend. Tabletten liegen in Haufen auf dem Boden, in den Ecken stehen Behälter voll mit undefinierbaren Pulvern und Flüssigkeiten, ausrangierte Pillenpressen und Drucker stehen in Räumen, wo an den Wänden grüner Schimmel wächst. Die Pillenpanscher nehmen her, was sie gerade so finden. So rührte ein Fälscher Injektionsmittel mit einem Kochholzlöffel im Topf zusammen und füllte sie danach ab. Er druckte mit Gitarrenseiten Farbcodes auf die Ampullen.

Solche Einzeltäter, die regional unterwegs sind, werden immer seltener. Längst sind Medikamentenfälschungen lukrativer als Drogenhandel, und der Markt wird mit mehr krimineller Professionalität aufgezogen. International verzweigte Netzwerke, das organisierte Verbrechen und sogar terroristische Organisationen bemächtigen sich dem Geschäft, warnt Interpol. In den vergangenen zwei Jahren startete sie nun mit Behörden und Institutionen betroffener Länder und der Unterstützung der WHO-Initiative IMPACT die großangelegte Operationen Mamba in drei Etappen. Erst im Sommer 2010 hebte Interpols Medical Products Counterfeiting and Pharmaceutical Crime (MPCPC) große Händlerringe in Burundi, Kenia, Ruanda, Tanzania, Uganda and Sansibar aus. Sie beschlagnahmten dabei mehr als 10 Millionen Tonnen Medikamente.

Doch woher kommen die Geräte, die erst eine Produktion der Pillen möglich macht?

Neben dem illegalen Schwarzmarkt, besorgen sich dubiose Zwischenhändler auch per Mausklick ihre Ware. Auf etlichen Plattformen wie www.equipnet.com oder www.bid-on-equipment.com. werden gebrauchte Pillenpressen, Kapselfüller oder Blisterverpackungsmaschinen legal im Internet angeboten. Die Anbieter auf diesen Webseiten sitzen hauptsächlich in den USA, Kanada oder Indien. Auch wenn die Verkäufer seriös sind, muss das nicht unbedingt für die Abnehmer gelten. Für einige tausend Dollar lässt sich dort schon eine funktionstüchtige Basisausrüstung ersteigern.

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Evolution Health — 12 Stunden Spurensuche

SpurensucheOb Bundeskriminalamt, Zentrallabor der Deutschen Apotheker oder die Zollverwaltung – täglich sind hunderte von Menschen in Deutschland mit der Suche nach gefälschten Medikamenten beschäftigt. Wir haben in verschiedenen Städten einen Tag lang einige bei ihrer Arbeit begleitet. Ein Blick hinter die Kulissen.

 

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12 Stunden Spurensuche


Spurensuche

06.10 Uhr Internationales Postzentrum Frankfurter Flughafen

Internationales Postzentrum Frankfurter Flughafen. Ein Rattern schallt aus der riesigen Halle. Große und kleine Pakete werden über Laufbänder unterhalb der Decke durch die Sortieranlage geschleust, sie zischen über Rutschen zu den Tischen der Postarbeiter runter. Das Postzentrum ist der Knotenpunkt des internationalen Briefverkehrs. Tausende von Sendungen treffen hier per Flugzeug ein und werden weiterverteilt. Doch nicht nur Postangestellte arbeiten hier. „Guten Morgen“ ruft Julia Luise Fösing ihren Kollegen zu. Sie ist Zollinspektorin und gerade hat ihre Schicht angefangen. An einem U-förmigen Tisch öffnet eine Postmitarbeiterin mit einem Schnittmesser im Akkord die Pakete. Sie holt aus einer chinesischen Sendung ein Knäuel Packmaterial heraus. Die Zollinspektorin schüttelt den Kopf. „Das sind nur Platinen, Fehlalarm.“ Sie selbst darf keine verdächtigen Sendungen öffnen. „Die Deutsche Post übernimmt rechtlich gesehen die Vertretung des Empfängers. Ihre Mitarbeiter holen den Inhalt heraus und übergeben ihn uns“, erklärt die junge Zollbeamtin. Die Kollegin von der Post schneidet mit schnellen Handgriffen ein anderes weißes Päckchen aus, es kommt von einem indischen ‚Medical Store’. „Ich glaube, ich habe hier was“, ruft sie der Zollbeamtin zu. Sie kommt rüber holt aus dem Papier bunte Tütchen. „Kamagra- Oral Jelly“ steht darauf. Das Gel zum Herauslutschen enthält pro Tütchen angeblich 100 mg Sildenafil, der Wirkstoff, der auch in Viagra zu finden ist. „Die gibt es in den unglaublichsten Geschmacksrichtungen wie Butterscotch, Vanille oder Erdbeere. Das ist momentan der Burner“, sagt die Inspektorin und hält die Packungen wie einen Fächer in der Hand. Der Fund kommt zu den anderen Medikamentenfunden in einen abschließbaren Transportwagen aus Aluminium mit Rollen, den hier alle nur „Silberling“ nennen.


08.00 Uhr Hauptzollamt Hamburg Hafen

Hauptzollamt Hamburg Hafen. Die Zöllner Thomas Kaspar* und Matthias Fellner*. machen sich auf den Weg zum Containerschiff „Xiao Shanghai“, es ist kurz vorher aus China angekommen. In dem Schiff wurden verdächtige Behälter gefunden. Die beiden Zollbeamten stießen bei der Durchsicht der Rechnungen und den Angaben des Warenwertes von umgerechnet 20 Millionen Euro auf Unstimmigkeiten. Verstecken sich dazwischen auch verbotene Arzneimittel oder Wirkstoffe für die illegale Herstellung von Medikamenten? Es ist fast wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen: 9500 Standardcontainer fasst die „Xiao Shanghai“, gerade mal drei dieser Großraumbehälter werden Thomas Kaspar und sein Kollege an der Inspektionsanlage Waltershof durchleuchten. Mit 7236 Hektar ist der Hamburger Hafen der drittgrößte Hafen Europas. Die 1888 gegründete Freizone macht ein Drittel davon aus, und wird mit einem 17,5 km langen und etwa 3 Meter hohen Zollzaun gesichert. Ein riesiges Areal, das die Hamburger Zollfahndung tagtäglich überwachen muss. Das ist ein schwieriges Unterfangen, gerade auch in Bezug auf Arzneimittel. Denn für Medikamente braucht man Einfuhrgenehmigungen – für deren Grundstoffe aber nicht. Rechtlich ist das teilweise eine Grauzone, mit der die Fälscher spielen.
* Name der Redaktion bekannt


08.30 Uhr Zire Frankfurt/Oder

Zire Frankfurt/Oder. Robert Niesen* fährt den Rechner hoch und startet die drei Flachbildschirme, die auf seinem Schreibtisch stehen. Der 44-Jährige ist einer der Beamten der „Zentralen Internet Recherche Einheit“ des Zollkriminalamtes. Niesen ist – so wie fast alle seiner Kollegen – ein ehemaliger Zöllner, der nach der EU -Ost-Erweiterung 2004 nicht mehr an der deutsch-polnischen Grenze gebraucht wurde. Jetzt fahndet er nicht mehr auf der Straße nach Schmugglern, sondern geht im Web auf Verbrecherjagd. An seinem Arbeitsplatz in dem tristen grauen Plattenbau surft er täglich durch das weltweite Netz – immer auf den Spuren des illegalen Medikamenten-Handels, nur ein paar Mausklicks, und er ist mittendrin. Für den Beamten und seine Kollegen ist die digitale Fahndung wie ein Fußballspiel, bei dem man beharrlich bleiben muss: „Du musst immer am Ball bleiben.“
* Name der Redaktion bekannt


09.00 Uhr Flughafen Frankfurt

Flughafen Frankfurt. Es geht mit dem Auto über das riesige Gelände, vorbei an Boeings und kleinen Maschinen. Rund 1000 Zollbeamte arbeiten beim Hauptzollamt Frankfurt Flughafen, davon knapp 750 direkt auf dem Flughafengelände unterwegs und jeder hat sein Spezialgebiet. Seit einigen Jahren gehört dazu auch „Gefälschte Medikamente“. Sie haben eine Menge zu tun. An die 1400 Flugzeuge landen und starten hier am Tag. Ihre Laderäume sind voll mit Containern, Säcken und Behältern, die hier aus- und umgeladen werden. Spürhunde, die normalerweise Drogen, Waffen, Geld oder Tabak darin erschnüffeln, erspüren immer wieder auch gefälschte Arzneimittel. Zwei Millionen Tonnen Fracht laufen jährlich über den Frankfurter Flughafen, das entspricht einem 650 Kilometer langen Güterzug. „Das muss alles zollamtlich abgefertigt werden“, sagt Andreas Urbaniak vom Hauptzollamt Frankfurt am Main. „Dazu kommen noch die Millionen Passagiere aus aller Welt. Auch dort finden wir im Gepäck immer mal wieder gefälschte Medikamente. Vor kurzem haben wir zwei Flugbegleiterinnen aufgegriffen, die ihre Taschen voller Tabletten hatten.“ Die Fahrt geht vorbei an einem Flugzeug einer indischen Airline. „Vor zwei Jahren haben wir aus so einem Flieger einen der weltweit größten Funde sichergestellt.“ Den Abfertigungsbeamten fiel damals eine mehr als vier Zentner schwere Frachtsendung auf, darin 600 Plastikflaschen mit jeweils 1000 rautenförmigen blauen Tabletten. Die Ware, die weiter nach Chile gehen sollte, wurde beschlagnahmt, eine Probe der Tabletten ging an den Hersteller des Potenzmittels VIAGRA . „Wenn wir einen Antrag auf Grenzbeschlagnahme vorliegen haben, können wir Waren, die offensichtlich gefälscht sind, aus dem Verkehr ziehen“, erklärt Urbaniak. Wahrscheinlich sollten die Tabletten in Südamerika neu portioniert und verpackt weiter in die USA oder zurück nach Europa geschmuggelt werden.


Spurensuche

09.30 Uhr Paderborn

Vor zwei Wohnungen in Paderborn. Nach einem halben Jahr verdeckter Ermittlungsarbeit ist es nun soweit. Die Zollfahnder hatten einen Anbieter einer Internetseite für „Lida-Präparate“ ins Visier genommen, deren Wirkstoff hier in Deutschland rezeptpflichtig ist und als gesundheitlich bedenklich eingestuft wird. Die Spur führte über ein Geflecht zahlreicher Bankkonten in die Russische Föderation, die Ukraine, der Tschechischen Republik nach Paderborn in Ostwestfalen. Jetzt starten die Fahnder endlich in die offene Phase ihrer Ermittlungen. Sie klingeln an der Tür einer Wohnung, ahnungslos öffnet eine ältere Frau, im gleichen Moment bringt ein Kurierdienst ein Paket mit einer neuen Lieferung. Als die Beamten das Paket öffnen, kommen die Pillen zum Vorschein. Der Sohn und seine Mutter betreiben einen Handel mit den verbotenen Tabletten. In einer bisher unbekannten anderen Wohnung in dem Ort finden die Zollfahnder das Büro der beiden. Ein Volltreffer! Dort wurden die Tabletten sortiert, verpackt, adressiert und weitergeschickt. Die Fahnder finden Aufzeichnungen über den ausgeklügelten Handel, außerdem rund 44.000 Kapseln. Die Frau wird festgenommen, doch ihr Sohn hat sich bereits ins Ausland abgesetzt. In fast 5000 Fällen hatten sie gemeinsam Schlankheitspillen im Wert von 550 000 Euro über Kurierdienste ins gesamte Bundesgebiet und benachbarte Ausland verschickt.
*Anmerkung: Die Mutter wurde zu einem Jahr und 6 Monate Freiheitsstrafe verurteilt. Das Verfahren gegen ihren Sohn wurde durch die Staatsanwaltschaft gem. § 205 StPO vorläufig eingestellt.


10.00 Uhr Zire Frankfurt/Oder

Zire, Frankfurt/Oder. Illegale Websites zu finden, ist keine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Im Gegenteil. Wer etwa die Begriffe „Viagra“ und „rezeptfrei“ in eine Suchmaschine eingibt, wird 1000fach fündig. „Man kann sicher sein, jedes verschreibungspflichtige Medikament, das ohne Rezept verkauft wird, ist illegal!“, erklärt Niesen. Bei den Onlinekunden steht auch „Lida Dai Dai Hua“ hoch im Kurs. „Uns geht es in erster Linie nicht darum, die Endkunden zu fangen, uns interessieren die Hintermänner, die den Markt mit gefährlichen Fälschungen fluten“. Deswegen sortiert Niesen „die kleinen Fische“ aus und konzentriert sich auf die Großen. Nach einer halben Stunde ist Robert Niesen fündig geworden, zieht einen Screenshot. Auf der Homepage ist das Bild einer hübschen, seriös wirkenden Frau im weißen Kittel zu sehen, daneben stehen Servicetelefon-Nummern und eine Liste von Produkten und Preisen. „Indem ich die Daten herunterlade, sichere ich wichtige Beweise“, erklärt Niesen. „Die Seiten sind sehr kurzlebig. Um ihre Spuren zu verwischen, wechseln häufig die Namen und Adressen. Indem wir die Dateien sichern, können wir bezeugen, dass sie auch tatsächlich online waren. Das ist wichtig, wenn es später zu einem Prozess kommt.“ Ein Stockwerk tiefer werden die Testkäufe sortiert, gezählt und computertechnisch erfasst. Dabei ist eine Lieferung mit einem unerklärbaren weißen Pulver, die Verpackung ist mit russischer Beschriftung. Packungen mit Ciala und Tadalafil liegen auf dem Tisch. Sie kommen aus Korea.


11.00 Uhr ZDA Frankfurt

Zentrallabor Deutscher Apotheker, Frankfurt. Diffuse Tabletten und Verpackungen liegen auf dem Labortisch, teils mit arabischer Aufschrift. Darunter finden sich drei türkische Präparate namens „Vigrande“, „Sildegra“ und „Degra“. Sie sollen Sildenafil enthalten. Davor liegt ein Blister von „Myralon“, einer Antibabypille. Kleine Tütchen mit Diazepam sind in Kohlepapier eingewickelt. „Das soll wohl Röntgenstrahlen ableiten“, vermutet Jan Hüsch. Der Doktorand arbeitet in dem Zentrallabor und hat sich in das Thema Medikamentenfälschungen eingearbeitet. „Man darf sich nichts vormachen, man kann inzwischen im Internet alles kaufen. Das ist schon viral. Wenn die Käufer solcher Tabletten unsicher sind, kommen sie teilweise auch in die Apotheke und geben die Medikamente ab. So landen die Arzneimittel zur weiteren Untersuchung bei uns.“ Er nimmt eine der Tabletten und bricht sie durch. Sie zerbröselt in Einzelteile. Mit dem Mörser zermalmt er eine weitere Tablette mit kreisenden Bewegungen zu Pulver und füllt es in ein Wagschälchen aus Glas. „Wir brauchen mindestens 10 mg, um einen Test durchführen zu können.“
Rund einen Tag brauchen Hüsch und seine Kollegen, um den Gehalt des Inhaltstoffes in solchen Tabletten zu bestimmen. Doch in dem Labor werden noch weitere Tests gemacht und die Bruchfestigkeit, der Abrieb, die Dichte und Gleichförmigkeit in puncto Masse und Gehalt ermittelt.
Der Pharmazeut gibt das Pulver in einen Kolben, löst es in Kochsalzlösung auf, danach tröpfelt er mit einer Pipette das Lösungsmittel Metahnol dazu, füllt das Gemisch in ein 1,5 Milliliter –Fläschchen ab und bringt es einen Raum weiter zur Zentrifuge, um nichtgelöste Hilfsmittel herauszulösen. Es geht nicht allein um die Frage, sind genug Inhaltsstoffe in der Tablette. Die Wirkung hängt auch von anderen Fragen ab: Wie sind die Hilfsstoffe gebunden und wieviel ist drin? Wie und wann setzt die Tablette die Wirkstoffe im Körper frei? Dazu gibt es eigens Auflagen. „Das ist ein besonderes Feld in der Pharmazie und fordert viel Erfahrung und Geschick, und das haben die Fälscher nicht“, erklärt Hüsch. Er steckt die kleinen Flaschen in ein Gerät. Die softwaregesteuerte Analyse ist nach einiger Zeit fertig. „Mehr als 90 Prozent des angegebenen Wirkstoffes war in der Tablette“, erklärt Hüsch. Ein Fluoreszenzdetektor hat das UV -Spektrum des Wirkstoffes ermittelt, das jetzt auf dem Monitor als buntes dreidimensionales Diagramm erscheint. Auch wenn der Wirkstoff in der Tablette nachweisbar ist, heißt das nicht, sie ist unschädlich. „Das Problematische ist ja, dass sie nicht aus der Hand eines Arztes oder Apothekers ist. Rezeptpflichtige Mittel können abhängig machen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten provozieren“, erklärt Hüsch. Wer zum Beispiel das Schmerzmittel Tramadol und das Psychopharmaka Neuril zusammen einnimmt, geht im schlimmsten Fall ein Spiel mit dem Tod ein. „Gemeinsam können sie das Atemzentrum dämpfen.“


Spurensuche

12.30 Uhr Postzentrum Frankfurt

Internationales Postzentrum Frankfurter Flughafen im Büro. An der Wand stapeln sich bis zur Decke gelbe Boxen. Sie sind voll mit Medikamentensendungen. Alles, was in der Post gefunden und mit dem „Silberling“ hier ins Büro zweimal am Tag geschoben wird, kommt unter die Lupe. Die Zollbeamten erfassen alle Daten per Computer. Danach werden die Arzneien in das Regierungspräsidium nach Darmstadt gebracht und dort im Keller aufbewahrt. Werden sie nicht mehr als Beweismittel benötigt, werden sie irgendwann als Sondermüll entsorgt. Julia Luise Fösing nimmt einen Umschlag aus einer gelben Box. „Shenzhen Guangdong – China“ steht auf dem Absender. Rote abgepackte Pillen kommen zum Vorschein. „Geiz frisst einfach das Hirn auf“, sagt sie. An einem anderen Schreibtisch klingelt das Telefon, eine Frau ist am anderen Ende. Sie fragt nach ihrem Paket. Als sie hört, es wurde beschlagnahmt, wird sie leicht panisch. Nach kurzer Zeit legt sie wieder auf. Doch nicht jeder bleibt ruhig, weiß die Zollbeamtin: „Letztens hat ein Mann hier angerufen, der sich Viagra im Ausland bestellt hat und in den Hörer schimpfe. „Warum nimmt Ihr mir die letzte Möglichkeit, um Spaß zu haben.“


13.00 Uhr Hamburger Hafen

Am Hamburger Hafen. Knapp fünf Stunden hat die Intensivkontrolle der drei Behälter im Hamburger Hafen gedauert. Auf Bildschirmen erscheinen wie im Röntgenbild das Innere der Container, modernste Durchleuchtungstechnik macht es möglich. Die Container erweisen sich als „sauber“. Dennoch sind die Zöllner nicht enttäuscht. „Gerade diese regelmäßigen Überprüfungen verhindern eine Überflutung des deutschen Marktes mit Fälscherprodukten“, so Thomas Caspar. Er erinnert sich an seinen bislang größten Fund vor zwei Jahren: Damals zogen er und seine Kollegen rund zwei Tonnen gefälschte Tabletten aus dem Verkehr. Ein Erfolg, der womöglich sogar Leben rettete. Rund 200.000 Zollbeschauungen wie bei den chinesischen Containern werden in Hamburg jährlich durchgeführt. Das ist möglich, weil jetzt auch vermehrt Kontrollen in der Nacht durchgeführt werden. Scheinbar ein Tropfen auf den heißen Stein im Kampf gegen die Pillenmafia angesichts der rund 7,7 Millionen Containereinheiten, die allein 2010 im Hafen umgeschlagen werden.


13.15 Uhr Zire Frankfurt/Oder

Zire, Frankfurt/Oder. Eine Nachricht von „Checker21“ taucht im Chattraum auf. Schon vor einigen Tagen beobachtete Robert Niesen wie ein gewisser „Manfred 1961“ auf der Plattform, auf der sich Konsumenten über gefälschte Anabolika austauschen, eine Anfrage hinterließ. Er würde auch gern größere Mengen an Medikamenten abnehmen. „Checker21“ antwortet und übermittelt einen Hinweis, wo er eine Internetadresse findet, die ihm „weiterhelfen“ könne. Niesen lächelt, setzt sich in seinem Bürostuhl aufrecht und beginnt zu tippen. Auf den ersten Blick erscheint die erwähnte Seite sauber. Das rote „A“ für Apotheke leuchtet oben im Adressfeld, im Begrüßungstext beteuert ein angeblicher Prof. Dr. med. Streyer, dass diese Onlineapotheke absolut seriös arbeite. Sie nutze eine Lücke im EU -Recht und könne viele Präparate günstiger und rezeptfrei anbieten. „Alles Lüge“, sagt Niesen. „Die Seite hat als Landeskennzeichen „ru“ für Russland.“ Schnell findet der Mann vom Zoll heraus, dass die Inhalte der Seite bei einem Provider in Deutschland liegen. Niesen zieht die Infos in einen Ordner auf seinem Rechner.


14.30 Uhr Zollfahndung Frankfurt

Zollfahndungsamt Frankfurt. Die Taxifahrer am Stand sind ratlos. „Das Zollfahndungsamt? Das wissen wir nicht.“ Dabei liegt es in dem Industriegebiet nur hundert Meter weiter entfernt. Im modernen Gebäude ist eines der bundesweit acht Zollfahndungsämter untergebracht. Jedes hat eine eigene Abteilung für gefälschte Medikamente, die größte mit 15 Beamten jedoch ist hier in Frankfurt mit einer weiteren Dienststelle in Kaiserslautern. Hans-Jürgen Schmidt ist einer von ihnen. Die Zollfahndung wird dann eingeschaltet, wenn ein gewerblicher Hintergrund vermutet wird oder es sich um einen Mehrfachbesteller im Internet handelt. Ab und zu bekommen sie auch direkt vom Hersteller einen Hinweis. Akribisch sammeln sie alle Details, verfolgen Lieferungen und Geldflüsse, observieren Verdächtige und entdecken neuste Produktideen der Fälscher wie Schlankheitskaffees mit Sibutramin. „Wir können mit den Beschlagnahmungen den illegalen Markt wie kleine Nadelstiche schaden. Doch wir wollen die Strukturen zerschlagen und nicht nur Medikamente vom Markt nehmen“, erklärt der Beamte. „Wenn wir vermuten, dass auch Waffen im Spiel sein könnten, dann arbeiten wir zusammen mit mobilen Einsatzkommandos oder alarmieren die ZUZ (Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll). Sie ist vergleichbar mit der GSG 9 und wird vom Zollkriminalamt in Köln geschickt.“ Die größte Kunst bei der Observierung ist, nicht aufzufallen. Es gibt es deshalb keine wilden Verfolgungsfahrten wie im Kino. „Wir haben keinen Freibrief für die Fahndung und unterliegen scharfen richterlichen Auflagen.“ Das Tagesgeschäft sieht anders aus. Häufig sind es Sammelverfahren von Einzelsendungen, die in dem Regierungspräsidium in Darmstadt oder im Lager der Dienststelle in Kaiserslautern in bereits überfüllten Kellerräumen gehortet werden. Meist handelt es sich um kleine Chargen für den Eigenverbrauch. Die Besteller bekommen dann Anhörungsbogen zugeschickt. Doch immer öfter sind es auch Mehrfachbesteller. Es werden auch zunehmend Strafverfahren eingeleitet. „Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt hat all dies Fälle zu bearbeiten und ist ziemlich ausgelastet. Einige Hundert Fälle pro Monat müssen abgewickelt werden.“


Spurensuche

15.00 Uhr Zentrallabor Apothekerverband

Zentrallabor Apothekerverband. Der Doktorand Jan Hüsch sitzt am Computer und klickt die Seite www.online-pharmacy.cc an. Dort werden verschreibungspflichtige Arzneistoffe wie Alprazolam als Allheilmittel bei Angststörungen angepriesen. „Wir machen selbst Testkäufe oder engagieren eine Firma, die für uns im Internet sucht und bestellt.“ Auf einer Website verführen getürkte Testimonials wie „I’am 76 years old and after using your Generic Viagra, I feel like I’m 18 again. Thank You! J.C. Ohio USA “ zum Kauf eines Potenzmittels. Bei anderen Anbietern hat Jan Hüsch auch telefonisch bestellt. „Bei einer Hotline meldete sich eine Claudia. Sie sagte nur, ein Rezept sei nicht erforderlich, es werde direkt vor Ort erstellt. Bei anderen Websites muss man vorher noch eine Art Checkliste ausfüllen.“ Zum Schluss stellt die Erfahrungen akribisch in Tabellen zusammen.


15.30 Uhr Bundeskriminalamt Wiesbaden

Bundeskriminalamt Wiesbaden. Heute geht eine besondere Pressemitteilung heraus. „Die Operation Pangea III ist abgeschlossen.“ Mehr als 40 Länder haben sich an einer internationalen Aktionswoche gegen den Handel mit gefälschten und nicht zugelassenen Arzneimitteln im Internet beteiligt. Nach mehreren Monaten Vorbereitung wurden an die 70 verdächtige Hintermänner weltweit festgenommen und tausende Arzneimittel von Polizei, Zoll und Arzneimittelüberwachungsbehörden sichergestellt. „Pangea III “ ist bereits die dritte Aktion dieser Art in Zusammenarbeit mit Interpol, der Weltzollbehörde, Institutionen und auch der Pharmaindustrie und Internet-Zahlungsabwicklern. Dahinter steckt die Taskforce IMPACT der Weltgesundheitsorganisation. Die Kriminalpolizei hat auch in Deutschland Anbieter festgenommen, die wahrscheinlich illegale Arzneimittel auf mehr als 100 Internetseiten vertrieben haben. Am nächsten Tag wird BKA-Präsident Jörg Ziercke in vielen Zeitungen zitiert: „Aktionen wie die Operation PANGEA tragen dazu bei, dass Ermittlungen gegen diese Straftäter nicht an den nationalen Grenzen enden, sondern in enger internationaler Zusammenarbeit der Strafverfolgungs- und Arzneimittelüberwachungsbehörden wirksam geführt werden können.“


17.00 Uhr Zire Frankfurt/Oder

Zire, Frankfurt/Oder. Noch immer weiß Niesen nicht, wer hinter der fraglichen Seite aus Russland steckt. Durch den so genannten „Quelltext“ prüft er alle Inhalte der Homepage nach anderen Verlinkungen. „Oft muss man um die Ecke denken, um die Identität der Hintermänner aufzuspüren. Aber irgendwo oder irgendwann macht jeder auch noch so ausgebuffte Fälscher einen Fehler“, sagt Niesen. „Wenn wir genügend Informationen beisammen haben, geben wir sie an die lokalen Einsatzbehörden der Zollfahndungsämter weiter. Bei der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gilt das Tatort-Prinzip.“ Das heißt, die Verdächtigen müssen vor Ort auf frischer Tat ertappt werden. Robert Niesen drückt den Knopf an seinem Rechner, schiebt die Brille nach oben und reibt sich die Augen. Acht Stunden vor dem Bildschirm sind anstrengend. „Trotzdem liebe ich meinen Job“, erklärt der 44-Jährige Computernarr. „Es ist für mich so, als würde ich den ganzen Tag Räuber und Gendarme spielen.“ Am nächsten Morgen klickt er wieder auf die Seiten, die er im Visier hat, denn da kann sich über Nacht viel tun. „Kriminelle machen leider nie Feierabend.

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BAUER KOMPRESSOREN

BAUER JubilaeumDer Kompressorenhersteller Bauer wollte für ein Buch zum 70sten Jubiläum des Unternehmens. Im Netzwerk entwickelten wir die inhaltliche und grafische Konzeption, schrieben Artikel und führten etliche Interviews.

 

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DER STARTSCHUSS FÜR DAS FAMILIENUNTERNEHMEN BAUER


BAUER Kompressoren


Die Geschichte von BAUER KOMPRESSOREN beginnt am größten Wendepunkt der neueren deutschen Geschichte. 1945 war in Deutschland die „Stunde null“: Die staatliche Ordnung war mit dem Ende des Nazi-Regimes zusammengebrochen, das Land wurde unter den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs aufgeteilt, München lag in der amerikanischen Besatzungszone und war eine Trümmerwüste.

In der alteingesessenen Sendlinger Motorenfabrik im gleichnamigen Münchner Stadtteil, die Traktoren herstellte, wurden bis Kriegsende Patronenhülsen für die Front produziert. Auch deren Werkshallen wurden im Krieg zerstört. Der junge Hans Bauer war dort seit 1939 Produktionsleiter, was in gewisser Weise sein Glück war, denn als leitender Angestellter in einer „kriegswichtigen Fabrik“ wurde er nicht eingezogen. Außerdem hatte er sich erfolgreich allen Aufforderungen von Nazi-Funktionären verwehren können, in die NSDAP einzutreten.

Nach Kriegsende fand sich Hans Bauer deshalb in einer weit besseren Lage wieder als die meisten seiner Altersgenossen: Er war gesund, nicht in Kriegsgefangenschaft, politisch unbelastet und zudem jung und voller Unternehmergeist.


BAUER Kompressoren


VON DER SCHMIEDE ZUR DRUCKLUFT

Das Unternehmertum liegt der Familie Bauer im Blut. Hans Bauer wurde 1920 in Arnstorf in Niederbayern geboren. Sein Großvater besaß dort seit 1864 eine Schmiede, 1888 spezialisierte er sich damit auf landwirtschaftliche Maschinen. Hans Bauers Vater führte das kleine Agrartechnik-Unternehmen ins 20. Jahrhundert und in die Ära der modernen Landwirtschaft mit ihren Traktoren und motorisierten Mähmaschinen. Hans war der zweite von drei Söhnen und musste seinem älteren Bruder Josef der Tradition gemäß den Vortritt lassen, als es um die Übernahme des elterlichen Betriebsging. „Ich will mein Glück in München probieren“, verkündete er seinem Vater. Er studierte Maschinenbau in München und blieb der Arbeitswelt treu, in die er hineingeboren war: Er nahm eine Stelle bei der Sendlinger Motorenfabrik in der bayerischen Landeshauptstadt an. Hans stieg im Traktorenwerk schnell auf und es zeichnete sich eine erfolgreiche Karriere für ihn ab.

Doch nach dem Krieg war die Fabrik eine Ruine – erst 1948 sollte sie wieder den Betrieb aufnehmen, nachdem die Kriegsschäden behoben waren. Hans Bauer wollte nicht so lange warten und machte sich mit dem Bau von Kompressoren selbständig. Er sah und nutzte die Chance, die die damaligen Umstände trotz des vorherrschenden Chaos boten. Die deutsche Wirtschaft lag darnieder, die großen Firmen waren stark beschädigt oder zerstört wor- den und noch nicht wieder instand gesetzt. Wer jetzt eine Unternehmung begann, hatte wenig Konkurrenz zu fürchten. Zugleich waren ehrgeizige und unternehmerisch denkende Leute wie Hans Bauer vor und während des Kriegs zur Förderung ihrer Karriere in der Regel „in die Partei“ eingetreten, und ehemaligen Mitgliedern der NSDAP war es bis 1948 von Seiten der amerikanischen Behörden un- tersagt, selbst ein Unternehmen zu gründen oder zu leiten. Die Wirtschaft lag zwar am Boden, doch herrschte gleich- zeitig eine große Nachfrage überall dort, wo das produziert wurde, was kurz nach dem Krieg für alle überlebenswichtig war: Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte.


BAUER Kompressoren


DAS GEGENTEIL VON MOTOR

Landwirtschaftliche Produktionsmittel waren Hans Bauers Welt. Im Betrieb seiner Eltern und durch die Arbeit in der Traktorenfabrik war er auf diesem Feld zum Spezialisten geworden. Er wusste also, wie man einen Traktor und einen Motor baut – aber für die Errichtung einer Motorenfabrik fehlte ihm freilich das Geld. Doch da gab es noch etwas anderes, das die Landwirte benötigten, etwas, das er mit weniger Aufwand bauen konnte und das einem Motor ganz ähnlich war, aber trotzdem quasi das Gegenteil: Kompressoren.

Wie ein Motor hat auch ein Kompressor Zylinder und eine Kurbelwelle und funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Darüber hinaus hatte Hans Bauer den Markt für sich, denn in Bayern gab es damals keine Hersteller von Kompressoren.

Was er nun brauchte, waren eine Halle oder wenigstens einen großen Schuppen, eine Drehbank, um Zylinder und Kurbelgehäuse herzustellen, einen Dreher oder „Zerspaner“, um die Drehmaschine zu bedienen, und einen Monteur, um die Kompressoren zusammenzubauen. Er selbst würde „Mädchen für alles“ sein, die Kompressoren entwerfen, für ihren Verkauf sorgen und seinen Mitarbeitern zur Hand gehen.

„Wenn Hans Bauer etwas wollte, dann hatte er eine unglaubliche Power“, erinnert sich Hans Danner, der in den 1950er-Jahren als junger Mann für die Firma Bauer gearbeitet hat. „Er war richtig besessen. Aber da ist was vorwärtsgegangen.“ Der Jungunternehmer baute zunächst einen Schuppen in den Garten seines Hauses in der Wolfratshauser Straße. Die benötigte Drehbank bekam er von dem Werksleiter der Sendlinger Motorenwerke geschenkt und eine Bohrmaschine erhielt er aus dem elterlichen Betrieb. Von seiner Tante schließlich bekam er einen Kredit, um Rohmaterialien ankaufen und seine ersten beiden Mitarbeiter bezahlen zu können. „Ich war sechs Jahre alt, als mein Vater die Firma gegründet hat. Mein Weg von der Schule nach Hause führte immer durch die anfangs noch leere Werkstatt in die Wohnung. Mein Vater war damals mit zwei Mitarbeitern noch ganz allein“, erinnert sich Sohn Heinz Bauer. Dieser war schon als Schuljunge begeistert dabei, half mit, wo es ging, und hielt in den kalten Monaten den Ofen der Werkstatt am Laufen.


TAUSCHGESCHÄFTE: IMMER EIN GEDECKTER TISCH

Die Nachfrage in der Landwirtschaft bescherte dem jungen Unternehmen sofort Aufträge, der erste große Abnehmer war die Freisinger Traktorenfabrik Schlüter. Überall im Münchener Umland bestellten Landwirte Anbaukompressoren und kamen auch in die Wolfratshauser Straße, um sie direkt bei Bauer abzuholen. „Bis zur Währungsreform 1948 gab es kein richtiges Geld. Man tauschte. Deswegen bezahlten die Bauern entweder mit Devisengeld oder vor allem mit Gänsen, Schinken, Eiern sowie mit Bezugsscheinen für Metall. Ich weiß noch, wir hatten damals im Gegensatz zu vielen anderen Familien in München immer gut zu essen“, weiß Heinz Bauer zu berichten. Und auch in puncto Metalle, die bis 1948 rationiert und natürlich notwendig für den Bau weiterer Kompressoren waren, gab es dank dieser Tauschgeschäfte keinen Engpass.

Sohn Heinz wuchs schon als Kind in das Firmenleben hinein: „Ich habe alles gemacht. Ich habe nicht nur den Kanonenofen eingeheizt, damit die Mitarbeiter nicht frieren, ich habe auch schon in jungen Jahren gefräst und war überall in der Produktion dabei. Das hat mir mehr Spaß gemacht als die Schule. Sobald ich radeln konnte, habe ich in der Gießerei in der Nähe der Firma Kustermann die Gussteile für die Kompressoren abgeholt.“

Ein enger Freund der Familie war damals der 20-jährige Günter Löschhorn. Er arbeitete bei der Firma Siemens, die nach dem Krieg den Hauptstandort von Berlin nach München verlegt hatte. Löschhorn erinnert sich noch an den kleinen Heinz Bauer, wie er mit dem Fahrrad und „mit einer riesigen Triefnase“ in den Hof gefahren kam. Hans Bauer sagte dann zu ihm: „Schau dir den Heinz an, Günter, der wird ganz sicher mal die Firma übernehmen, wenn ich nicht mehr da bin.“


1948 – NEUES GELD, NEUE CHANCEN

Anfangs stellte Hans Bauer alle möglichen Arten von Kompressoren her, Hauptsache, er blieb im Geschäft. Die Firma Bauer machte sich einen Namen in München und Umgebung. 1948 kam die Währungsreform und mit ihr die Deutsche Mark. Nun war wieder Bargeld im Umlauf, die Wirtschaft erfuhr einen ersten Aufschwung. Jetzt begann man auch mit dem Wiederaufbau der zerstörten Städte. Hans Bauer reagierte sofort auf die neue Nachfrage und entwickelte einen fahrbaren Baukompressor, mit dem die Presslufthämmer betrieben werden konnten, die für den Wiederaufbau der Straßen und Gebäude unverzichtbar waren. Die Zahl der gefertigten Baukompressoren übertraf die Zahl der Anbaukompressoren bald signifikant. Die Umsätze stiegen stetig, doch stieß die Firma an ihre Grenzen, als 1948 ein erster internationaler Großauftrag in der Wolfratshauser Straße einging: eine Bestellung aus Griechenland für 50 Kompressoren. „Es waren Druckluftkesselanlagen mit 5-PS-Benzinmotoren – richtige saubere Stinker“, kann sich Heinz Bauer erinnern. Das war der Startschuss für den Exporthandel, der das Unternehmen Bauer Kompressoren groß machen sollte. In den Jahren danach kamen noch größere Aufträge für Druckluftkessel aus Portugal und England dazu. Da die Firma anfangs noch keine Vertretungen im Ausland hatte, funktionierte das Exportgeschäft nur über die Zusammenarbeit mit Handelshäusern. Um die vielen Aufträge überhaupt umsetzen zu können, brauchte es neue Ideen, mehr Raum und mehr Mitarbeiter.


STARTSCHUSS FÜR DIE SERIENFERTIGUNG

Eine neue Idee für die Umstrukturierung der Arbeitsabläufe brachte Freund Günter Löschhorn ins Spiel, der bei Siemens für die Planung der Montage und der Vorfertigung zuständig war. Genau in diesen Bereichen hatte die Firma Bauer noch strukturelle Probleme. Hans Bauer investierte viel Geld und vertraute dem Know-how von Günter Löschhorn, der die Montage fit für „Serien mittlerer Größe“ machte.

Mit dieser neuen Montagelinie und den vielen Exportaufträgen wuchs die Anzahl der Mitarbeiter rasant: 1948 waren es bereits 30 und 1950 rund 50 Mitarbeiter. Die Marke „Bauer Kompressoren“ wurde nun auch im Ausland immer bekannter und die Exporte nahmen stetig zu.

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ADAC SOMMERGUIDE ALPEN

ADAC SommerguideDie Mitarbeit an dem ADAC Sommerguide Alpen hat mir viel Spass gemacht, da ich gern in der Bergwelt unterwegs bin – aber nicht hochalpin!

 

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Kochel & Walchensee


Adac 3

Die Umgebung gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen der Münchener.

Kurve um Kurve schlängelt sich die Kesselbergstraße vom Kochelsee zum Paß hoch. Auf der einen Seite blitzt immer wieder das dunkle Blau des Kochelsees und die weite Voralpenlandschaft durch die Baumwipfel, zur anderen Seite leuchten die schroffen Felsformationen des Jochbergs imposant in der Mittagssonne. Kleine Aussichtsbuchten laden immer wieder zu einem kurzen Autostopp ein, um den Blick über die weitläufige Moorlandschaft bis zum Ammersee zu genießen. Schon in der Bronzezeit war die Verbindungsstrecke zwischen Kochel- und Walchensee die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen Oberbayern und dem Innsbrucker Land. Herzog Albrecht IV. ließ den morastigen Weg ausbauen, um den Handel voran zu treiben. Mit einer Steigung 25 Prozent gehört die rund drei Kilometer lange alte Kesselbergstraße, die sich unterhalb der Autostrecke befindet, zu einer beliebten und anspruchsvollen Mountainbiketour. Auf der Passhöhe nehmen mehrere schöne Wanderungen ihren Ausgangspunkt. Auf der Ostseite führt ein abwechslungsreicher Wanderweg zum Jochberg (1567) und zur Jocher-Alm (1382). Die Hütte ist nur im Sommer bewirtschaftet und eine Zwischenstation für Alle, die weiter auf dem großen Bergrundwanderweg weiter zum Rabenkopf (1559 m) oder zum südlich gelegenen Hirschhörnlkopf (1515) wollen. Für Familientouren am Wochenende sind die Wege ideal und die Aussicht hinab zu den kristallblauen Seen ist grandios. Die Künstler des „Blauen Reiters“ wie Franz Marc, der in Kochel wohnte, ließen sich durch dieses Naturschauspiel inspirieren. Werke dieser Zeit lassen sich im Franz-Marc-Museum in Kochel bewundern. Westlich des Kesselbergpasses beginnt der bequem begehbare, aber auch sehr steile Reitweg zum Herzogsstand (1731 m) und Fahrenbergkopf (1627 m). Wer nach der schweißtreibenden zweistündigen Wanderung am Unterkunftshaus Herzogsstand angekommen ist, versteht sehr schnell, warum König Ludwig II. 1865 hier ein Königshaus erbauen ließ. Auch wenn von dem alten Gemäuer nichts mehr zu sehen ist, hat sich die atemberaubende Aussicht seit damals nicht verändert, die der bayrische Monarch tags wie nachts genossen haben soll. Vom Gipfel bietet sich ein Panorama von München bis Innsbruck, über das Karwendel zum Wilden Kaiser bis zu den Allgäuer Alpen. Wenn die Sicht klar und weit ist, zeigen sich auch die Spitzen vom Großglockner und Großvenediger. Wer mag, fährt mit der neuen Kabinenbahn wieder abwärts zum Walchensee oder übernachtet auf dem Herzogsstandhaus, um am nächsten Morgen den anspruchsvollen Gratweg zum Heimgarten (1790 m) anzutreten. Wer von der schönen Aussicht nicht genug kriegen kann, geht von dort weiter zum nördlich gelegenen Käserberg oder steigt über den Rotwandkopf (1518 m) zum Walchensee wieder ab. Auf dem glitzernden See vor der Kulisse des Karwendelmassivs flitzen bunte Surfsegel kreuz und quer über die leicht gekräuselte Wasseroberfläche. Bei gutem Wetter geht immer ein guter Wind. Überall an der asphaltierten Uferstraße, die teilweise für den Autoverkehr gesperrt ist, haben Wassersportler und Taucher ihr Tageslager aufgebaut. Dazwischen bevölkern Eltern mit Kinderwagen, Inline-Skater und Fahrradfahrer die Strecke. Mit einer Fläche von 16,4 km und einer Tiefe von bis zu 200 Meter ist der Walchensee das größte und tiefste Gebirgsgewässer Bayerns. Das Gefälle von 200 Metern zwischen den Seen wird unterirdisch für die Stromerzeugung genutzt. Ein Besuch des Infozentrums (Tel. 0 88 51/77 211) des Kraftwerks Walchensee, das 1924 erbaut wurde, ist ein informativer Abschluss eines Tages.
Erschienen in: „ADAC – SommerGuide Alpen“
Serviceartikel mit Adressenlisten, Ausflugtipps, Bewertungen und Beschreibungen von Wanderungen

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Skylens coverNeben großen Kundenanfragen schreibe ich auch für kleine Unternehmen wie Skylens (Drohnenflüge mit der Wärmekamera) Texte für Broschüren oder Internetseiten.

 

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